Workshops

Einen Programmüberblick gibt es hier: KLIMAktion!-Kongress Programm

 

Stand der europäischen und internationalen Klimapolitik

mit Stefan Küper (Germanwatch)

Woran hakt es bei den internationalen Klimaverhandlungen? Sind Deutschland und die EU wirklich ein Vorbild bei der Klimapolitik? Und wie müsste ein gutes Kyoto-Nachfolgeabkommen aussehen? Diese und weitere Fragen beantwortet am Freitagabend Stefan Küper von Germanwatch. Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation ist mit einer Reihe von Experten an den zeitgleich laufenden UN-Klimaverhandlungen in Bonn beteiligt.

Die Teilnehmenden erwartet ein kurzer Überblick über die Geschichte der internationalen Klimapolitik sowie die wichtigsten Ergebnisse der neuesten Klimaforschung (IPCC-Berichte, Arbeitsgruppen 1-3) und die Schlussfolgerungen daraus. Darüberhinaus werden die größten Staatengruppen (Industrienationen, insb. USA und EU, Schwellenländer, insb. China, Entwicklungsländer) und ihre Haltungen zur Klimapolitik skizziert. Besonders im Fokus steht die aktuelle Lage – denn insbesondere beim weltweit größten Emittenten China sind erste Anzeichen einer Wende auszumachen.

Nicht zuletzt soll der Blick auf die bevorstehenden Klimagipfel in Lima 2014 und Paris 2015 geworfen werden. In Paris soll endlich ein Kyoto-Nachfolgeabkommen verabschiedet werden. Wie müsste dieses aus Sicht von Germanwatch aussehen? Wie stehen die Chancen für ein ambitioniertes Abkommen? Und welche Rolle spielt die bunte Allianz von NGOs und Klimaaktivist_innen? Zudem: Wie können parallel laufende Prozesse wie zum Beispiel die Entwicklung der Sustainable Development Goals (SDGs) hier unterstützend wirken?

 

Klimafolgen – Die großen Risiken und die großen Unbekannten

mit Olivia Serdeczny (Climate Analytics und Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung)

In diesem Workshop werden die Ergebnisse des Fünften Sachstandsberichtes des Weltklimarates (IPCC) vorgestellt. Welche Klimafolgen werden in den nächsten Jahrzehnten und gen Ende des Jahrhunderts erwartet? Was sind die großen Unbekannten und welche Risiken ergeben sich daraus für zukünftige Generationen? Unter Bezug auf regionale Fallstudien werden Klimafolgenketten aufgezeigt, die die menschlichen Konsequenzen des Klimawandels veranschaulichen. Der Workshop hat das Ziel, das Verständnis für die Herausforderung zu stärken, die sich sowohl für die Vermeidung von Klimawandel als auch für die Anpassung an unvermeidliche Klimafolgen ergeben.

 

Klimaskeptiker_innen und der Stand der Wissenschaft

mit Uwe Nestle (EnKliP)

Und es gibt sie immer noch: Klimaskeptiker_innen, die sagen, dass es den Klimawandel gar nicht gebe oder er zumindest nicht vom Mensch gemacht sei und daher auch nicht vom Menschen verhindert werden könne. Was ist dran an ihren Argumenten, wie sind die Klimaskeptiker_innen motiviert und wie einflussreich sind sie? Ist das ein Problem nur in den USA, oder auch anderswo? In diesem Workshop sollen darüber hinaus einige wissenschaftliche Grundlagen vorgestellt und diskutiert werden, die verdeutlichen, dass die menschgemachte Klimakrise Realität ist und mit denen die Argumente der Klimaskeptiker_innen widerlegt werden können.

 

Emissionshandel

mit Dr. Benjamin Stephan (KlimaCampus Universität Hamburg)

Der Emissionshandel steckt in einer Krise. Im europäischen Emissionshandelssystem (EU ETS) sind zu viele Zertifikate im Umlauf und der Preis pro Tonne CO2 liegt bei lediglich 5 Euro. Dies ist viel niedriger als die 30 Euro und mehr, die viele Expert_innen für notwendig erachten, um deutliche Reduktionsanreize zu setzen. Beim Clean Development Mechanism (CDM) sieht es nicht besser aus. Ohne ein Folgeabkommen zum Kyoto Protokoll gibt es keine Nachfrage. Der Preis pro Tonne CO2 liegt beim CDM mittlerweile im Cent-Bereich. Trotzdem breitet sich das Instrument Emissionshandel immer weiter aus. Während die Abgeordneten des Europaparlaments diskutieren wie sie das EU ETS wiederbeleben können, werden in Kasachstan und einigen Regionen Chinas neue Handelssysteme eingeführt. In Thailand, der Türkei und in verschiedenen Provinzen Brasiliens steht eine Einführung kurz bevor. Kritische Kommentator_innen sprechen bereits vom Emissionshandel als Zombie: Obwohl sie klimaschutztechnisch bisher wirkungslos ist, will man sich von dieser Idee nicht verabschieden. Wie ein Untoter stolpert sie weiter voran. Dieser Workshop soll helfen diese paradoxe Situation zu verstehen: Was genau sind die Probleme mit dem Emissionshandel? Und warum breitet sich die Idee trotz dieser Probleme weiter aus? Bevor wir uns diesen Fragen zuwenden, werden wir uns gemeinsam erarbeiten wie genau der Emissionshandel funktioniert. Am Ende des Workshops sollen sich alle Teilnehmenden ein Bild darüber machen können, inwiefern Emissionshandel zu effektivem Klimaschutz beitragen kann.

 

Offsetting und Atmosfair: Moderner Ablasshandel?

mit Dr. Benjamin Stephan (KlimaCampus Universität Hamburg)

Die Luxuskreuzfahrt in die Karibik und das Around-the-World Ticket sind gebucht. Und für ein paar Euro mehr fallen sie in der persönlichen Klimabilanz nicht einmal mehr negativ auf. Kein Problem argumentieren die Befürworter_innen von Kompensationsprojekten: Dem Klimawandel sei es schließlich egal woher die Treibhausgasemissionen stammen bzw. wo sie eingespart würden. Kompensationsprojekte in Entwicklungsländern können dies nicht nur preisgünstig tun, sie geben der Bevölkerung, gleichzeitig die Chance auf nachhaltige Entwicklung. Reines Greenwashing argumentieren die Kritiker. Kompensationsprojekte sein die moderne Version des katholischen Ablasshandels. Und nicht nur das: Sie stellen auch eine neue Form des Kolonialismus dar – Carbon Colonialism. Und es sind nicht mehr alleine Reisen für die wir Emissionen ausgleichen können: Konferenzen werben damit klimaneutral zu sein; Pakete versendet man heute klimaneutral; und es lassen sich bereits klimaneutrale Luxusgeländewagen oder Fernseher kaufen. Bei diesen sind nicht nur die Emissionen aus dem Herstellungsprozess sondern auch die bei durchschnittlicher Nutzung über die Lebenszeit anfallenden Verbrauchsemission kompensiert. Dieser Workshop beleuchtet das Phänomen Klimaneutralität und Offsetting im Detail und versucht etwas Licht in die Auseinandersetzung zwischen Befürworter_innen und Gegner_innen zu bringen. Können Kompensationsprojekte sinnvoll sein? Und wenn ja, was sollten wir dabei beachten wenn wir versuchen klimaneutral zu handeln?

 

„Loss & Damage“Eine Frage von Klimagerechtigkeit!

mit Sören Köpke (Politikwissenschaftler, TU Braunschweig)
Extremereignisse wie die Superstürme Katrina (USA 2005) oder Haiyan (Vietnam und Phillipinen 2013) geben eine Ahnung davon, dass der Klimawandel schon heute Realität ist. In der UN-Klimarahmenkonvention steht viel über die Reduktion von Emissionen und die Anpassung an den Klimawandel. Was aber ist mit der Schäden, die eben schon heute  entstehen? Neben dem entstehenden menschlichen Leid und Verlusten von Kulturgüter richten Klimakatastrophen auch handfeste finanzielle Schäden an. Die besonders betroffenen Länder fordern nun verstärkt Entschädigungszahlungen.
„Loss and Damage“, Verluste und Schäden, ist ein Begriffspaar aus der Versicherungswirtschaft. In den letzten Jahren, seit dem UN-Klimagipfel in Doha 2012, hält dieses Thema Einzug in die internationale Klimapolitik. Effektiv geht es darum, die verletzlichsten Länder zu unterstützen, denn die Bemühungen um Abschwächung des Klimawandels kommen bekannterweise nicht voran.
Wie lässt sich die Forderung nach Kompensationen in ein Konzept von Klimagerechtigkeit einpassen? Wie realistisch ist es, dass die ärmsten Länder tatsächlich von Entschädigungszahlungen profitieren? Das wollen wir in diesem Workshop diskutieren. Dabei gibt es einen Einstieg zur Debatte um Loss and Damage und Fallbeispiele, wir wollen verschiedene Positionen zum Thema nachvollziehen.

Umweltpsychologie – Warum wir nicht handeln, wie wir wollen

mit Lisa Bockwoldt und Yvonne Emig (Initiative Psychologie Umweltschutz)

Du weißt, dass Kühe das Klima killen. Und dennoch – am ersten heißen Sommertag essen wir alle nur zu gern ein großes Eis! Warum kommen wir nicht aus unseren Routinen und Handlungsmustern heraus – fahren Auto, fliegen um die Welt und verhalten uns klimaschädlich? Wir suchen mit euch Antworten in der Psychologie, der Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen. Anhand der Theorie des geplanten Verhaltens (nach Fishbein & Ajzen, 1980) zeigen wir euch, wie es zu diesen Widersprüchen zwischen Einstellung und Verhalten kommt. Aussprüche und Slogans, die auf die individuelle Verantwortung und das moralische Gewissen der einzelnen Bürger_innen abzielen, greifen zu kurz. Menschen sind soziale und komplexe Wesen mit vielfältigen Werten, Einstellungen und Bedürfnissen. Letztlich passen sie sich in ihrem Verhalten und mit ihren Entscheidungen auch an ihre (soziale) Umwelt an. Und die wird maßgeblich von Werbung, Politik, Gesetzen und Wirtschaft geprägt! Dieser Vortrag erkundet, warum wir es nicht immer schaffen individuelle Widersprüche zwischen umweltfreundlichen Einstellungen und umweltschädigendem Verhalten im Sinne des Klimaschutzes abzubauen. Am Ende könnt ihr ableiten, wie ihr euch und andere dabei unterstützen könnt!

 

Argumentationstraining Erneuerbare Energien

mit Uwe Nestle (EnKliP)

Die Erneuerbaren Energien sind in der Defensive – obwohl sie sich schneller entwickelt haben als fast jedEr vor einigen Jahren noch glaubte. Oder genau deswegen? Gute Argumente sind also unverzichtbar. Dabei gilt es, Mythen, Halbwahrheiten und Falschaussagen aufzudecken und richtig zu stellen. Und die gibt es auf beiden Seiten: Den Energiewendegegner_innen wie –freund_innen. In diesem Workshop wollen wir an einer Reihe von Beispielen lernen, wie es geht.

 

Politisches Engagement für den Klimaschutz: Möglichkeiten und Perspektiven

mit Mark Peter Wege

Die Weltklimakonferenz 2015 (COP20) in Paris wird nicht nur Politiker_innen, Wissenschaftler_innen und Delegierte aus aller Welt anziehen, sondern auch Aktivist_innen und Kampaigner_innen beschäftigen. Wie in den vergangenen 20 Jahren werden sie versuchen, mit vielfältigen Aktivitäten im Vorfeld und während der Konferenz versuchen Einfluss auf deren Ergebnis zu nehmen. Die Bilanz der bisherigen Klimakonferenzen und der Einfluss der Umweltbewegung auf deren Ergebnisse ist bisher bekanntermaßen allerdings recht mager. 2013 haben die NGOs daher die Weltklimakonferenz in Warschau verlassen. Auch wenn diese Aktion überwiegend symbolischen Charakter hatte, hat in der Umweltbewegung eine Diskussion darüber begonnen, inwieweit es noch sinnvoll, so viel sinnvoll ist, so Engagement in diese Veranstaltungen zu stecken. Deren Ergebnis wird wahrscheinlich nicht auf ein entweder-oder hinauslaufen. Daher werden wir uns in diesem Workshop sowohl mit Möglichkeiten des Engagements auf oder im Umfeld der Weltklimakonferenz als auch politischen Aktivitäten für die Durchsetzung von Klimaschutz jenseits dieser und anderer Veranstaltungen befassen. Der Referent wird dafür am Beginn des Workshops anhand von Beispielen über vergangene und bekannte, bereits geplante Aktivitäten im Rahmen von Weltklimakonferenzen berichten. Ergänzende Beiträge von Teilnehmenden sind ausdrücklich erwünscht. Die anschließende Diskussion wird je nach Gruppengröße und Bedürfnissen der Teilnehmenden ggf. zum Teil in Kleingruppen geführt. Die Ergebnisse werden dann am Schluss zusammengefasst und können dann am Sonntag in die Arbeitsgruppen eingebracht werden.

 

Be realistic – demand the impossible! Klimaschutz selber machen

mit Jutta Wieding (BUNDjugend)

„DU willst das Klima retten? Das bringt doch eh‘ nix!“ – wenn du das schon mal gehört hast, und dir gelegentlich nicht sicher bist, was du darauf antworten sollst, bist du in diesem Workshop richtig. Irgendwie ist es ja doch nicht genug, wenn du und ich nicht in den Urlaub fliegen und Standby vermeiden. Doch was ruft eigentlich sozialen, gesellschaftlichen und politischen Wandel hervor? Welche Rolle spielen dabei Bewegungen? Die Klimabewegung ist seit dem Scheitern der Klimaverhandlungen in Kopenhagen tot – aber muss das so bleiben? Die Verhandlungen in Paris 2015 bieten eine neue Chance, doch was braucht eine Bewegung theoretisch und was passiert gerade konkret? Auf welche Akteure können wir bauen?

Dieser Workshop ist eine Einladung, über unterschiedliche Dimensionen persönlichen Handelns – individuell und zivilgesellschaftlich – nachzudenken. Ob das eher auf der theoretischen Ebene bleibt und wir zu verstehen versuchen, was eigentlich psychologisch und politisch passiert, oder wir direkt loslegen und überlegen, wie es weitergehen muss, bestimmt ihr.

 

Climate Justice Now! – Was ist Klimagerechtigkeit?

mit Romina Ranke (Politikwissenschaftlerin, Leibniz Universität Hannover)

“Climate Justice Now!” lauteten die Sprechchöre der Aktivist_innen 2007 auf der Klimakonferenz in Bali und 2009 bei den Protesten in Kopenhagen. Seitdem hat sich der Begriff der Klimagerechtigkeit in zivilgesellschaftlichen Netzwerken etabliert und ist für viele Gruppen ein gemeinsamer Bezugsrahmen geworden. Doch welche Ideen sind eigentlich mit diesem Begriff verbunden? Woher kommt er? Und welche verschiedenen Forderungen verbergen sich dahinter? Im Workshop werden Meilensteine der transnationalen Bewegung für Klimagerechtigkeit nachgezeichnet und so ein Überblick über die Entwicklungen der letzten Jahre auf transnationaler Ebene geschaffen. Zentrale Dokumente und Konzepte werden vorgestellt und die zum Teil durchaus auch unterschiedlichen Forderungen erläutert, die mit dem Begriff der Klimagerechtigkeit verbunden werden.

Zudem soll der Workshop eine Gelegenheit zum Austausch und zur Diskussion bieten: Was versteht ihr selbst unter Klimagerechtigkeit? Ist das überhaupt eine sinnvolle Forderung? Und wenn ja, wie ließe sie sich umsetzen?